Rossfeldrennen 2016

23.-25. September

 

Bereits im Herbst 2015 wurde ich vom Veranstalter Joachim Althammer für die 4. Auflage am Rossfeld eingeladen, was ich mir natürlich nicht entgehen liess. Ein schöneres Saisonende konnte ich mir nicht vorstellen und bestätigte ihm meine Teilnahme so schnell wie möglich. Die ganze Saison war mein NSU die Zuverlässigkeit in Person und ich freute mich auf dieses Saisonfinale in Berchtesgaden. Eine Woche vor der Veranstaltung kehrte die Wettervorhersage ihre Gesinnung und prognostizierte ein sonniges Wochenende. Sicherheitshalber legte ich aber die Regenreifen bereit und reiste am Donnerstag nach Berchtesgaden, um die Wagenabnahme hinter mich zu bringen. Um 08.00 Uhr nahm ich Strecke unter die Räder und war mit einer halben Stunde Verspätung um 15.30 Uhr an der Wagenabnahme, mitten in Berchtesgaden. Die Funktionäre erinnerten sich positiv an meinen Renner und nach einem kameradschaftlichen Wortwechsel, bekam ich alle Unterlagen und Kleber. Das Hotel hatte mir einen Carport auf dem Parkplatz zugesichert und ich war beruhigt, das Fahrzeug in meiner Nähe zu wissen. Am Freitagmorgen nach dem Frühstück stellte ich meinen Renner ins Fahrerlager, das sich auf ca. 940 m.ü.M. befand. Die 400 Höhenmeter zum Fahrerlager mit einer Steigung von bis zu 14%, war der letzte Test für meine Zugmaschine. Da viele Fahrzeuge noch in Berchtesgaden weilten, war mein Renner schnell abgeladen und ein Funktio-när lotste mich zum etwas weiter entfernten Abstellplatz für die Anhänger. Anschliessend fuhr ich wieder runter nach Berchtesgaden, denn da fand in der Altstadt die Fahrzeugpräsentation statt. Die beiden Moderatoren Hannes Mayerl und Siegfried Schlütter wechselten sich bei der Fahrzeugvorstellung ab und konnten über jedes Fahrzeug interessante Informationen abgeben. Eine perfekte Einstimmung der Zuschauer für die bevorstehenden zwei Tage am Rossfeldrennen. Unterbrochen wurde die Präsentation durch ein Interview mit Walter Röhrl oder die Buchvorstellung der Rennfahrerlegende Sepp Greger. Umfassende Informationen aus erster Hand, die seinesgleichen sucht! Die Fahrzeugvorstellung dauerte bis 19.00 h und um 20.00 h fand im Hotel Edelweiss die Begrüssung der Teilnehmer statt, gefolgt vom Fahrerbriefing und dem gemeinsamen Abendessen.

Am Samstagmorgen um 08.30 h standen vor dem Hotel Edelweiss Oldtimerbusse bereit, die die Teilnehmer zum Fahrerlager hochfuhren. Die Busse kamen ordentlich ins Schnaufen beim Überwinden der bis zu 14%igen Steigung – Entschleunigung pur! Im Fahrerlager angekommen, blieb mir genügend Zeit, mich und mein Renner für die „Besichtigungsfahrt“ vorzubereiten. Um 10.00 h wurde das erste Fahrzeug auf die Strecke geschickt und da mein NSU die Startnummer 68 trug, musste ich mich noch etwas gedulden. Auf Geheiss eines Funktio-närs rollten wir durchs Fahrerlager Richtung Vorstart, wo wir „tropfenweise“ zum Start hochfuhren. Der Startintervall war 30 Sekunden und als Uli Latus mit seinem NSU Wankel Spider die Startkurve ansteuerte, rollte ich zur Startlinie. Jetzt lag sie vor mir, die 6 km lange Strecke mit einem Höhenunterschied von 700 m und einer durchschnittlichen Steigung von 9% (maximal 13%). Nun wird sich zeigen, ob meine geänderte Übersetzung etwas taugt. Als der Zeiger der Startuhr bei der 5 Sekunden - Marke war, zählte mich der Rennleiter an. Antrieb gespannt, Drehzahl 6000 U/min. und ab ging die Reise mit durchdrehenden Rädern. Vor der Startkurve hatte ich bereits den zweiten Gang eingelegt und nach der Kurve prügelte ich den Motor auf 8000 U/min. (zur Freude der Zuschauer), schaltete in den Dritten und unter Volllast passierte ich die erste Schikane. Die folgende Rechtskehre ging im 2.Gang, anschliessend volle Kanne und im vierten Gang näherte ich mich schnell der Linkskurve, die mein Renner im 2.Gang meisterte. Nun ging’s rassig weiter im 3. oder 4. Gang bis zur Rechtskurve zum „Ofnerboden“, die ich mit viel Gefühl im 3.Gang im oberen Drehzahlbereich durchfuhr. Die nun folgende Schikane musste exakt angesteuert werden und mein Renner schlüpfte im vierten Gang durch. Vor der Rechtskurve bei der Enzianhütte musste ich zurück in den 3.Gang, aber anschliessend wieder Vollgas im Vierten durch die lange Rechtskurve bis zur Spitzkehre. Nun war ich am Heck vom Wankel Spider und Uli Latus machte mir nach der Kehre, in der langgezogenen Linkskurve, Platz zum Überholen. Das obere „Geschlängel“ be-stand aus drei Spitzkehren und die nächste Linkskehre fuhr ich im 4.Gang an. Im Zweiten ging es ums Eck, steil hinauf im dritten Gang zur Zielkurve, wo Hannes Mayerl die Zuschauer über Mikrofon und Lautsprecher die Fahrzeuge live kommentierte. Die gutbesuchte Zielkurve meisterte ich im 2. Gang, anschliessend nochmals volle Beschleunigung und stürmte dem Ziel entgegen.

Über 60 Fahrzeuge standen bereits im Ziel, bereit für die Rückführung und ich stellte mich hinten an. Zeit genug, um das eben Erlebte zu diskutieren und ganz oben konnte man Getränke kaufen, oder den Kalorienhaushalt wieder in Ordnung bringen. Nachdem die Rennleitung oben angekommen war, begann die Rückführung über die Strecke – eine emotionale Talfahrt! Gleichzeitig brachten die Oldtimerbusse neue Zuschauer nach oben, also war Rechtsfahren angesagt. Jetzt realisierte ich die vielen Zuschauer an der Strecke, die uns begeistert zujubelten. Unten im Fahrerlager war dann Besuchszeit der Zuschauer und ich hatte alle Hände voll zu tun, den Wissensdurst zu löschen. Es übertraf meine kühnsten Vorstellungen, was für ein reges Interesse die Leute an meinem NSU zeigten. Von Lauf zu Lauf verbesserte sich meine Streckenkenntnis und die Versuchung war gross, immer mehr Risiko einzugehen. Nach 3 Läufen war mein Tank noch gut halb voll und das sollte reichen für die 3 Läufe am Sonntag. Ein kurzer Check am Fahrzeug, umziehen und zum Busbahnhof eilen, denn da standen die Oldtimerbusse bereit, die uns nach Berchtesgaden zurück brachten. Der Sonntag  war eine Wiederholung vom Samstag und es pilgerten über 10‘000 begeisterte Zuschauer ans Rossfeldrennen und für die Fahrer war das ein Spiessrutenlaufen der Gefühle. Es ist nicht in Worte zu fassen, was für Sympathien vom Streckenrand ins Auto überschwappten. Der Abschlussabend mit Prämierung der attraktivsten Teams im Kursaal, setzte diesem Event die Krone auf. Alles in Allem ein unvergessliches Wochenende in einer wunderschönen Gegend und einer hervorragenden Organisation.

 

Mit luftgekühlten Grüssen

Charly Aegerter